Therapeutische Seelsorge

  • Therapeutische Seelsorge München

Therapeutische Seelsorge als Schwerpunkt der Psychotherapie

Wir Menschen agieren auf unterschiedlichen Ebenen. Wobei jeder Einzelne anstrebt, sich auf seine Weise mit der Sinnhaftigkeit seines Lebens in Verbindung zu setzen. Für viele Menschen bildet die Ausrichtung auf die materielle Sicherheit den Mittelpunkt ihres Lebens. Für sie ist finanzieller Erfolg sehr wichtig. Ihr Ansatz ist es meist auch, Probleme als Herausforderungen zu sehen, die es möglichst schnell und effizient zu lösen gilt.

Menschen, die auf einer anderen Ebene agieren, haben unter Umständen in gleicher Weise materiell-finanziell erfolgreiche Ziele im Fokus, hinterfragen aber ihr Tun und Handeln in tieferer Weise. Für sie stehen Körper, Geist und Seele meist im unmittelbaren Zusammenhang. Sie nehmen ein Problem als Anlass zu hinterfragen, warum passiert mir das jetzt und worin liegt der Sinn? Um so hinter dem Problem den größeren Zusammenhang zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu erkennen. Der Weg zur Lösung eines Problems oder Konfliktes führt Menschen, die auf einer für sie tieferen Ebene agieren, weniger nach außen als vielmehr in ihr Inneres. Ins Hara, ins Zentrum des Körpers, wie es in fernöstlichen Kulturen heißt.

In unserer westlichen Kultur könnten wir statt Hara von unserem Gehirn im Bauch sprechen. Wissenschaftler der modernen Neurologie haben herausgefunden, dass wir im Bauch, um den Darm herum, Zellen vom gleichen Typ des Gehirns (Nervenzellen) haben und diese Zellen auch analog unserer Gehirnzellen arbeiten. Wissenschaftler sehen das Bauchhirn als Sitz unseres Unbewussten. Hier wird nicht nur ein Großteil unserer (negativen) Erfahrungen gespeichert, weshalb uns manche Situation buchstäblich Bauchschmerzen bereitet, sondern hier fällen wir intuitiv auch viele Entscheidungen. Gebet und Meditation lassen uns eine Verbindung zu unserem Bauchhirn herstellen. Sie werden in der Therapeutischen Seelsorge als Form der inneren Einkehr genutzt.

Wir begleiten Menschen in schwierigen und herausfordernden Lebenssituationen. Dies können schwere Krankeheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust eines lieben Menschen oder das bevorstehende eigene Sterben sein.

In der Therapeutischen Seelsorge, wie sie in unserer Praxis gelebt wird, sieht der Therapeut den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Probleme und Krankheiten, seelisch oder körperlich, sind für den Klienten nicht ausschließlich als Störung zu verstehen, sondern auch als Botschaft, stets verbunden mit der Möglichkeit, durch Hinterfragung zu einer Neuorientierung und Sammlung der eigenen Kräfte zu kommen.

Im Mittelpunkt der Begleitung stehen selbstreflektierende Gespräche, Meditation und Gebet, die Raum für Intuition und Zugang zum Unbewussten schaffen. Die Therapeutische Seelsorge ist ein Prozess, der Menschen hinführt, mit sich, dem Umfeld und dem eigenen Leben oder Sterben immer stärker in den inneren Frieden zu kommen.

Christopher Ofenstein, Diplom-Religionspädagoge, ist ausgebildet in Krisenintervention, Traumatherapie nach Luise Reddemann und Psychoonkologie nach Carl Simonton.