Therapeutische Seelsorge als Schwerpunkt der Psychotherapie

Wir Menschen agieren auf unterschiedlichen Ebenen. Wobei jeder Einzelne anstrebt, sich auf seine Weise mit der Sinnhaftigkeit seines Lebens in Verbindung zu setzen. Für viele Menschen bildet die Ausrichtung auf die materielle Sicherheit den Mittelpunkt ihres Lebens. Für sie ist finanzieller Erfolg sehr wichtig. Ihr Ansatz ist es meist auch, Probleme als Herausforderungen zu sehen, die es möglichst schnell und effizient zu lösen gilt.

Menschen, die auf einer anderen Ebene agieren, haben unter Umständen in gleicher Weise materiell-finanziell erfolgreiche Ziele im Fokus, hinterfragen aber ihr Tun und Handeln in tieferer Weise. Für sie stehen Körper, Geist und Seele meist im unmittelbaren Zusammenhang. Sie nehmen ein Problem als Anlass zu hinterfragen, warum passiert mir das jetzt und worin liegt der Sinn? Um so hinter dem Problem den größeren Zusammenhang zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu erkennen. Der Weg zur Lösung eines Problems oder Konfliktes führt Menschen, die auf einer für sie tieferen Ebene agieren, weniger nach außen als vielmehr in ihr Inneres. Ins Hara, ins Zentrum des Körpers, wie es in fernöstlichen Kulturen heißt.

In unserer westlichen Kultur könnten wir statt Hara von unserem Gehirn im Bauch sprechen. Wissenschaftler der modernen Neurologie haben herausgefunden, dass wir im Bauch, um den Darm herum, Zellen vom gleichen Typ des Gehirns (Nervenzellen) haben und diese Zellen auch analog unserer Gehirnzellen arbeiten. Wissenschaftler sehen das Bauchhirn als Sitz unseres Unbewussten. Hier wird nicht nur ein Großteil unserer (negativen) Erfahrungen gespeichert, weshalb uns manche Situation buchstäblich Bauchschmerzen bereitet, sondern hier fällen wir intuitiv auch viele Entscheidungen. Gebet und Meditation lassen uns eine Verbindung zu unserem Bauchhirn herstellen. Sie werden in der Therapeutischen Seelsorge als Form der inneren Einkehr genutzt.

Wir begleiten Menschen in schwierigen und herausfordernden Lebenssituationen. Dies können schwere Krankeheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust eines lieben Menschen oder das bevorstehende eigene Sterben sein.

In der Therapeutischen Seelsorge, wie sie in unserer Praxis gelebt wird, sieht der Therapeut den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Probleme und Krankheiten, seelisch oder körperlich, sind für den Klienten nicht ausschließlich als Störung zu verstehen, sondern auch als Botschaft, stets verbunden mit der Möglichkeit, durch Hinterfragung zu einer Neuorientierung und Sammlung der eigenen Kräfte zu kommen.

Im Mittelpunkt der Begleitung stehen selbstreflektierende Gespräche, Meditation und Gebet, die Raum für Intuition und Zugang zum Unbewussten schaffen. Die Therapeutische Seelsorge ist ein Prozess, der Menschen hinführt, mit sich, dem Umfeld und dem eigenen Leben oder Sterben immer stärker in den inneren Frieden zu kommen.

Christopher Ofenstein, Diplom-Religionspädagoge, ist ausgebildet in Krisenintervention, Traumatherapie nach Luise Reddemann und Psychoonkologie nach Carl Simonton.

Spiritualität als Teil des ganzheitlichen Therapiekonzeptes

In der ganzheitlichen Arbeitsweise wie sie in unserer Praxis gelebt wird, sehen wir den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist. Probleme und Krankheiten, seelisch oder körperlich, sind für den Klienten nicht ausschließlich als Störung zu verstehen, sondern auch als Botschaft, zu einer Neuorientierung zur der Entfaltung seines vorhandenen Potenzials zu kommen. Dabei liegt die Herausforderung, das stimmige Maß zu finden in der Ganzheitlichkeit der menschlichen Entwicklung von Körper, Seele und Geist.

Haben Sie schon einmal jongliert? Am einfachsten ist es einen Ball in die Luft zu werfen und ihn wieder aufzufangen. Schwieriger wird es mit zwei Bällen. Herausfordernder ist es mit drei Bällen. Und so ähnlich ist es auch in der Entwicklung der eigenen Ganzheitlichkeit: Ich kann nicht nur einen Aspekt nehmen oder betrachten und entwickeln, sondern es ist ein dauernder Prozess, alle drei Aspekte so zu jonglieren, um für mich das richtige Maß, die richtige Technik, das richtige Spiel, die richtige Intuition zu finden, für das was gerade in meinem Leben ansteht.

Und jetzt stellen Sie sich noch vor, jeder Ball hat zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt ein unterschiedliches Gewicht, eine unterschiedliche Größe, eine unterschiedliche Form. Und in dem Moment, indem Sie den Ball wieder auffangen, verändert er sich und in dem Moment indem Sie ihn in die Luft werfen, verändert er sich wieder und so ist es auch mit der menschlichen Entwicklung. Es ist ein stetiger, sich verändernder Prozess und manchmal fällt der ein oder andere Ball zu Boden und aus dem Schrecken dass er dies tut, fällt auch der nächste und unter Umständen gibt es Zeiten, in denen man gar keinen Ball mehr in den Händen hat.

Ist es nicht im Leben auch manchmal so? Man hat das Gefühl etwas verstanden zu haben, Dinge erkannt und umgesetzt zu haben und plötzlich passiert etwas im Außen oder im Innen was dazu führt, die innere oder äußere Sicherheit, die Balance oder gar den natürlichen und sicheren Lebensfluss zu verlieren. Wir können wie Meisterschüler all die Knoten unseres Lebens auf der psychischen Ebene gelöst haben und dennoch feststellen, dass dabei die Lebensfreude, die sich auch durch Körper und Seele ausdrücken will, auf der Strecke geblieben ist.

So ist es hilfreich, immer mehr den Blick für das große Ganze zu bekommen denn aus ihm ist alles Leben und Wachsen entstanden. Und gleichzeitig sich seiner Selbst im Kleinen bewusst zu sein, denn im Kleinen schaffe ich für mich die notwendigen Veränderungen. Nur hier kann ich beginnen, die Dinge zu tun, die mich in das stimmige Maß bringen.

Spiritualität ist der Bereich des Lebens, unserer Existenz, der am schwierigsten zu greifen ist. Unser Verständnis von Spiritualität ist die gelebte Beziehung zu Gott, egal ob er christlich, jüdisch, muslimisch oder hinduistisch ist. Die eigene Spiritualität zu entdecken und zu entfalten fängt damit an, mit mir selbst liebevoll in Beziehung zu gehen, was zunächst einfacher klingt als umzusetzen ist.

Die intuitive Seite unseres Bewusstseins versorgt uns oft mit Informationen, die wir als Vorahnungen, Bauchgefühl oder einfache Gewissheit wahrnehmen, ohne sie einem Erlebnis oder einer bewusst gemachten Erfahrung zuordnen zu können. Wir alle nehmen in unterschiedlicher Ausprägung auf der intuitiven Ebene wahr.

Viele Menschen haben eine gute Intuition, die bei besonderer Begabung oder Ausprägung auch so weit gehen kann, mit den intuitiven Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen) Dinge wahrzunehmen. Hochsensitive Menschen haben manchmal Fähigkeiten wie Hellfühligkeit, Hellsichtigkeit, Hellhörigkeit, oder ein ausgesprochen gutes und empathisches Einfühlungsvermögen.

Wir unterstützen und begleiten Menschen auf unterschiedliche Art und Weise dabei, zu sich selbst zu finden und sich im Rahmen einer ganzheitlichen Entwicklung auch auf spiritueller Ebene zu entfalten. Dabei verbinden wir „weltliche“ tiefenpsychologische Ansätze und Methoden mit spiritueller Arbeit. Aus unserer eigenen Biografie heraus orientieren wir uns am christlichen Menschenbild und sind selbst aktive Mitglieder der christlichen Kirchen. Unsere therapeutische Arbeit ist grundsätzlich konfessionsunabhängig.

Umfangreiche Ausbildungen ermöglichen uns nicht nur die psychologisch fundierte Arbeit, sondern auch die eigene Beziehung zur geistigen Dimension. Jeder kann lernen, diese Gaben und diese Beziehung zum Blühen zu bringen, um sie hilfreich und nützlich anzuwenden und für ein liebevolleres und friedlicheres Miteinander einzusetzen, das unsere Welt so dringend braucht.