Frohe Weihnachten & einen guten Rutsch

Liebe Freundinnen und Freunde von INTEGRIO,

„alle Jahre wieder muss ich dieses Weihnachten ertragen, ich mache dieses Jahr nichts, gar nichts!“ sagte letzte Woche jemand aus dem Freundeskreis zu uns. Also macht sie dieses Jahr am Heiligen Abend deshalb nichts, weil Weihnachten ist, dachten wir uns. Ob wir uns den inneren und äußeren Belastungen, die dieses Fest der Liebe uns oft schon im Advent beschert, aussetzen, oder uns dem einfach nur entziehen wollen – wir kommen nicht daran vorbei. Weihnachten scheint unerschütterlich.

Welche Wünsche haben Sie zu Weihnachten in diesem Jahr?

Obwohl wir in einem Land leben, indem es uns ziemlich gut geht, will häufig keine Zufriedenheit aufkommen, im Kleinen wie im Großen. Unzufriedenheit und Frustration lassen stattdessen viele Menschen nach Sündenböcken suchen, die dann für das eigene Unglück oder die empfundenen Nachteile verantwortlich gemacht werden. Es fällt viel leichter zu kritisieren oder über andere herzuziehen, als aufzubauen, zu hoffen und zu loben. In unserer Gesellschaft wird der Kritiker oft als der Mächtige gesehen. Wer kritisiert, gibt vor, den Durchblick zu haben, und stellt sich mit seiner Kritik über das Kritisierte. Oftmals ist das Kritisieren aber eher ein Ausdruck von Unzufriedenheit und Fantasielosigkeit statt einer besseren Urteilskraft.
Etwas zu loben oder aufzubauen erfordert Fantasie und Kreativität – im Kleinen wie im Großen. Das fängt schon bei mir selbst an, wenn ich meine festgefahrenen Erwartungen an das Leben stelle. Wer hat hier wem gerecht zu werden? Wer trägt die Verantwortung für mein Wohlergehen? In der Erwartungshaltung mache ich mir die Welt oft so, wie ich sie gern hätte. Die Welt ist jedoch wie sie ist und richtet sich häufig nicht nach meiner Erwartung. Die Enttäuschung ist also vorprogrammiert.

Wie kann ich nun aus der erwartenden, einengenden und abhängigen Position, die mich letztlich unzufrieden macht, herauskommen?
Vielleicht könnte ich die Frage andersherum stellen: Wie kann ICH dem Leben gerecht werden?
Ich könnte doch die Umstände zunächst in meinem kleinen Lebenskosmos mitgestalten. Was würde denn passieren, wenn wir zunächst im Kleinen Fantasie und Kreativität wagten?
Wenn wir in all dieser vorweihnachtlichen Hektik sind, kommen wir nicht gut in Kontakt mit unseren eigenen Bedürfnissen – wir werden wenig oder gar nicht berührt. Damit sich Fantasie und Kreativität entfalten können, braucht es neben den äußeren Pflichten und Erwartungen auch Freiräume zum Nachspüren, zum Bewusstwerden. Zu viel Perfektionismus zu Weihnachten ist gefährlich, da wir Gefahr laufen uns selbst zu verlieren auf Kosten der gut gemeinten Rituale.
Freiräume, um uns selbst berührend verschenken zu können: Um uns selbst gerecht zu werden und unseren Wünschen an das kommende Fest. Wenn ich durch Freiräume mehr Gleichgewicht finde, habe ich mehr Sicherheit in mir, zu schenken und beschenkt zu werden.

Mich selbst berührend zu verschenken – klingt eigentlich sehr schön. Das könnte doch das wahre Weihnachtsgeschenk sein.
Vielleicht ist es statt dem materiellen Geschenk ein liebevolles Wort, ein Brief oder ein fantasievoller Ausdruck der ganz persönlichen Wertschätzung, der dieses Jahr Wünsche und Erwartungen erfüllt. Eine liebevolle Geste, ein zärtlicher Satz über das, was wir so häufig als selbstverständlich annehmen: „Danke, dass Du mir in diesem Jahr den Raum für meine Fortbildung ermöglicht hast“ oder „Danke, dass du in meinem Leben bist, auch wenn ich selbst so oft abwesend bin.“ Was genau schätzen Sie an den Menschen, mit denen Sie in diesem Jahr Weihnachten feiern werden – und wie würden Sie es ihnen gerne sagen oder zeigen?

Kinder machen sich in ihrer Fantasie viele Gedanken, wie sie ihre Liebsten berühren können. Oft sind wir berührt durch das Bild oder den Stern, der für uns gebastelt wurden. Dieser bekommt dann einen Ehrenplatz am Weihnachtsbaum. Geht es zu Weihnachten nicht um genau solche liebevoll und gut gemeinte Berührungen? Ein gespannter Blick, wenn ich meiner Liebsten das Geschenk überreiche und mich über ihre Freude freue und wir uns dann tief in die Augen schauen. Vor-Freude.
Oder die überraschend tiefe Freude, wenn jeder zu Weihnachten fantasievoll-kreativ ist zu jemanden, den er kennt, oder auch zu Menschen, die er nicht kennt, was manchmal leichter fällt. Echt gemeintes Lob und Wertschätzung verbinden und sie kosten nichts außer der inneren Haltung: Zunächst mir selbst wohlwollend zugewandt. Wie sehr bin ich gerade mit mir im Frieden? Was brauche ich, um mich noch tiefer auf Weihnachten einzulassen? Worauf hoffe ich? Und was kann ich davon mit anderen lebendig werden lassen?

„Weihnachten – das stellt unsere Welt auf den Kopf. Da macht sich ein starker Gott in einem Kind in der Krippe klein, verletzlich, ja gar ohnmächtig. Da liebt uns einer so sehr, dass er in unser Dunkel, in unser Leid, in unsere Traurigkeit, in unsere Begrenztheit hineinkommt. Da ist sich ein Gott nicht zu fein dafür, in einem Stall zur Welt zu kommen – in dem Stall meines Lebens, in dem es oft auch dreckig und unaufgeräumt ist – und in dem manches vielleicht zum Himmel stinken mag“, so schreibt die Autorin Andrea Schwarz. Da lässt einer sein Wohlwollen uns gegenüber richtig lebendig werden!

Nur wenn ich mir bewusstwerde, was ich mir für mich wünsche, kann ich mein Leben so beeinflussen, dass ich lerne, wachse und das erreiche, was ich mir vorstelle. Wir können viel erleben, ohne dadurch reifer, erwachsener, weiser zu werden. Hoffnung heißt auch, die Augen zu öffnen für das, was gerade ist – in Berührung zu kommen mit der Realität. Mut, zu lieben und zu gestalten und zu verändern in der Hoffnung, dass ich trotz aller Unwägbarkeiten einen guten Weg im Leben finden kann. Und wenn ich allein feiere? Was kann mich da berühren?
In dem Moment, in dem uns das Kind in der Krippe berührt, indem wir uns selbst und gegenseitig berühren, beginnt Weihnachten. Ein Fest gegen alle Unzufriedenheit, weil alles auf den Kopf gestellt wird und wir – ganz zart – auf unsere Füße.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein gelassenes, berührendes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr 2020!

Christopher Ofenstein und Elizabeth Reimers mit ihrem Team

INTEGRIO Ofenstein & Reimers
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